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Die Geschichte des Zelts

Redaktion: 14. Juli 2015

In einem der Märchen aus „Tausendundeiner Nacht“ wünscht sich der Protagonist ein Zelt, das so leicht ist, dass ein Mann es tragen kann, aber dabei groß genug ist, um seinen Hof, sein ganzes Heer und sein Lager aufzunehmen. Einerseits weist diese Äußerung darauf hin, welch große Anforderungen schon damals an ein Zelt gestellt werden, andererseits, wie lange das Zelt als archaische Konstruktionsform bereits zum Kulturgut des Menschen gehört.

Schutz gegen die raue Natur

Historische Malerei mit einem Zelt drauf.

Die ältesten geschichtlichen Spuren des Zelts finden sich in Europa im Jungpaläolithikum, dem jüngeren Abschnitt der eurasischen Altsteinzeit vor etwa 40.000 Jahren. Zu dieser Zeit tauchten die ersten leichten Sommerzelte auf, die gut zu transportieren waren. Schwerere Winterzelte stammen ebenfalls aus dieser Zeit, auch in Form von sogenannten „Karkassen“ (Zelten aus Tiergerippe). Bei ihnen wurde lediglich die Abdeckung in Form von Fellen beim Weiterziehen mitgenommen. Mit etwas Glück konnten die als Nomaden lebenden Jäger und Sammler dieser Zeit das Gerippe im nächsten Winter erneut nutzen, wenn sie es wiederfanden. Die frühen Zelte mussten transportabel sein, denn in den Steppengebieten gab es oftmals kein Baumaterial zum Errichten einer improvisierten Behausung, und die Jäger mussten stets in der Lage sein, den Wanderungen der Tiere zu folgen, die sie erlegen wollten.

Tierfell als „Zeltbahn“

Die Zelte besaßen ein kegelförmiges Gestänge aus langen Holzstangen, auf das Rentier-, Pferde- oder Mammuthäute aufgelegt wurden. Dies geschah mit der Fellseite nach außen, sodass Regenwasser leichter abperlen konnte. In den rauen Wintermonaten wurde über ein Zelt dieser Bauart ein noch größeres errichtet: Die Luft zwischen den beiden Zelten hatte eine wärmeisolierende Wirkung, wenn im Innenraum eine Feuerstelle eingerichtet war. Fixiert wurden die Ränder dieser Zelte mit aufgeschütteter Erde, Sand oder auch Steinen. Gegen starke Winde und Stürme wurde auch diese frühe Zeltform bereits mit Schnüren gesichert. Erst in der mittleren Steinzeit verlor das Zelt in Europa langsam an Bedeutung: Die Menschen lebten nun ortsgebunden in ersten Hütten, und spätestens in der Jungsteinzeit machte das Aufkommen von Werkzeugen den Bau von Häusern in Pfostenbauweise möglich.

Andere Länder, andere Zelte

Auch auf anderen Kontinenten machte das Zelt als mobile Behausung Karriere. Am bekanntesten ist wohl das Tipi der indianischen Stämme Nordamerikas. Tipis aus Leinwand, wie wir sie aus Karl-May-Filmen kennen, tauchten zuerst ab 1800 in der Prärie auf. Da die Indianer feststellten, dass Leinwand leichter als das vorher verwendete Büffelleder war, begannen sie den Bezug für ihre Tipis zu nähen. Das Word „Tipi“ entspringt übrigens der Sprache der Dakota-Indianer und bedeutet so viel wie Wohnung oder Leben (Ti) oder auch bewohnen, leben (Pi).

In Zentralasien hingegen ist die Jurte seit dem späten 16. Jahrhundert bekannt. Das Zelt der Kirgisen, Kasachen und Mongolen zeichnet sich durch eine runde Form aus, die innen aus einem Holzgestänge besteht, welches mit Filz- oder Baumwolltextilien zugedeckt wird. Eine Jurte kann meistens in rund einer Stunde auf- oder abgebaut werden – früher wurden zum Transport Kamele, inzwischen werden Geländewagen genutzt.

Mittlerweile werden auch heute noch in unseren Breitengraden Zelte im Freizeit- und Outdoorbereich genutzt – zum Beispiel auf Rockfestivals, wo die zumeist jugendlichen Jäger und Sammler auf der Suche nach Freiheit und Abenteuer sind.