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Militär und Zelte bei den Römern

Redaktion: 25. August 2015

Keine antike Hochkultur hat die Menschheit so geprägt wie die Römer: Straßennetze, Thermen und Fußbodenheizung gehörten zur ihren Errungenschaften. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht um ca. 117 n. Chr. gehörten den Römern Teile Nordafrikas, Englands, Europas und Westasiens. Die Aufgabe der römischen Armee bestand in der Eroberung neuer Gebiete und der Verteidigung des Reiches. Die schwierig durchzuführende Kontrolle des gesamten Landes, Angriffe von feindlich gesinnten Völkern und innere politische Spannungen führten im weiteren Verlauf der Geschichte jedoch zum Niedergang der Römer.

Das römische Militär

Szene

Die Entwicklung des römischen Reiches zu einer Großmacht war vor allem dem hochentwickelten Militärapparat zu verdanken. Zur Blütezeit bestand die Armee aus ca. 150 000 Mann. Die Zahl der Hilfstruppen war ungefähr genauso groß. Das bedeutet, dass dem römischen Reich zu dieser Zeit ungefähr 300 000 Soldaten zur Verfügung standen.

Die römische Armee war hoch diszipliniert, hierarchisch geordnet und hervorragend ausgerüstet. Zu den Waffen der Legionäre gehörte der Speer (pilum), das Schwert (gladius) und ein rechteckiges Schild (scutum). Ein Römer trat ungefähr mit 18 Jahren in die Armee ein und diente durchschnittlich für 16 Jahre. Das römische Militär unterteilte sich in vier Gruppen, wobei nur die letzten drei von strategischer Bedeutung waren:

  • 1. Den Prätorianern – die kaiserliche Leibgarde in Rom
  • 2. Den Legionen – eine Legion bestand aus Fußsoldaten und einer kleinen Gruppe von Legionsreitern
  • 3. Den Hilfstruppen – diese sind nichtrömische, rekrutierte Truppen, die mit den Legionen zusammen operierten. Sie bestanden aus Infanterie, Kavallerie, Bogenschützen und Schleuderern
  • 4. Der römischen Marine – die Kriegsflotte stellte neben den Legionen und den Hilfstruppen den dritten strategisch wichtigen Teil des römischen Militärs dar
Nachgestellte Szene: Ein römischer Reiter beim Angriff.

Für die Kriegführung und Landesverteidigung spielten gerade die Legionen eine große Rolle. Sie waren streng hierarchisch organisiert. An der Spitze einer ca. 5000 Mann starken Legion stand der Legat und ein Stab aus elf Offizieren. Die Legion unterteilte sich in 10 Kohorten zu je 480 Mann. Die Kohorte wiederum setzte sich aus sechs Zenturien zu je 80 Mann zusammen. Diese wurde jeweils von einem ranghohen Soldat, dem sogenannten Zenturie, befehligt und war damit die strategisch gesehen kleinste Einheit der römischen Armee.

Keine militärische, sondern eher eine logistische Rolle spielte die kleinste Gruppe der römischen Armee: Das Contubernium. Diese bestand aus acht Soldaten und bildete eine Zelt- bzw. Stubengemeinschaft. Man kann also sagen, dass zehn Contubernia eine Zenturie ergaben.

Die Zelte des römischen Militärs

Nachgestellt: Römisches Lager.

Neben den Waffen, der Rüstung und der Kleidung bestand die Ausrüstung der römischen Soldaten auch aus Kochgeräten, Waschzeug, Erst-Hilfe-Material und weiteren Gegenständen. Die Ausrüstung und Lebensmittel wurde zwar von der Armee gestellt, allerdings wurden die Kosten hierfür vom Sold der Legionäre abgezogen.

Zelte und Maultiere wurden gemeinsam von einer Zeltgemeinschaft (dem Contubernium) genutzt. Diese Kosten wurden zwischen der Gruppe aufgeteilt.

Die Zeltgemeinschaft schlief im sogenannten Tentorium. Dabei handelte es sich um ein Zelt mit Giebel. Hierfür wurden vier Holzpfosten, schräg zueinander in die Erde gerammt und zwischen den Pfosten ein Seil gespannt, über das eine Zeltplane aus Leder gespannt wurde. Der Planenrand wurde mit Zeltheringen im Erdreich verankert. Für den Transport wurden die Holzpfosten und Heringe im zerlegten Zustand einfach in die Lederplane eingewickelt und wurde dann vom Maultier der Zeltgemeinschaft getragen.

Neben dem Tentorium gab es in der römischen Legion auch das Tabernaculum, ein Zelt für Offiziere. Vom Aufbau war es dem Tentorium ähnlich, hatte aber einen fixen Holzrahmen, wodurch es stabiler, allerdings auch schwerer zu transportieren war. Ursprünglich war das Tabernaculum nur für Offiziere gedacht, im späteren Verlauf der römischen Geschichte wohnten aber auch gemeine Soldaten in diesem Zelttyp.

Die Zelte wurden mit Stroh ausgelegt, auf dem die Legionäre in ihren Mänteln eingewickelt schliefen. Einige Ausrüstungsgegenstände wurden zum Schutz vor Feuchtigkeit ebenfalls im Zelt gelagert, andere wiederum wurden aus Platzgründen vor dem Zelt aufgestellt. Gemütlicher hatten es da die Zenturios und die höheren Offiziere. Ihre größeren Zelte wurden teilweise mit Mobiliar oder sogar Badewannen ausgestattet.

Material und Größe der Zelte

Neben Holz und Metall war für die Herstellung eines Zeltes vor allem Leder notwendig. Für ein durchschnittliches Zelt benötigte man ca. 90 Ziegenhäute. Um die Lederplanen wasserdicht zu halten, müssten diese ständig gepflegt und eingefettet werden.

Dank Ausgrabungen von Zeltfragmenten konnte man Rückschlüsse auf die durchschnittliche Größe eines römischen Zeltes nehmen. Man geht davon aus, dass die Grundfläche in etwa 3x3m betrug. Die Firsthöhe lag bei ungefähr 1,70m. Neben dem Standardzelt und den größeren Zelten der Zenturios und der Offiziere gab es auch Kommandeurszelte, die Platz für Lagerbesprechungen boten.

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