Profizelt24 / Profizelt24 Magazin / Magazin: Zeltwelt / Was ist eigentlich eine Jurte?

Was ist eigentlich eine Jurte?

Redaktion: 14. Juli 2015

Eine Jurte ist im Wesentlichen ein zeltähnliches, rundes Gebäude und besteht aus einem Holzgestänge, auf das Baumwoll- und Wollfilzstoffe gespannt werden. Sie ist aber auch die traditionelle Behausung der mongolischen und kirgisischen Nomaden, die in diesen Zelten seit Jahrhunderten den Härten der Natur ihrer Heimat trotzen.

2000 Jahre mobile Wohnkultur

Mongolische Jurte: Bauform aus dem 19. Jahrhundert.

Bereits seit 2000 Jahren ist die Jurte das mobile Heim der Nomaden in Zentralasien. Besonders in der Mongolei und in Kirgisien ist sie seit jeher weit verbreitet und hat für ihre Bewohner eine ebenso lebenswichtige wie geradezu mystische Bedeutung. Einerseits bietet die Jurte Schutz vor den harten klimatischen Bedingungen, denen die Nomaden während des Wanderns inmitten der flachen Steppe ausgesetzt sind. Sie müssen dies tun, damit ihr Vieh stets genügend Fläche zum Grasen und Überleben findet. Das Klima wechselt je nach Region zwischen Dürren, starken Niederschlägen, extrem hohen Temperaturschwankungen und gewaltigen Schneestürmen.

Andererseits ist die Jurte fester Bestandteil des archaischen, naturverbundenen Daseins der Nomaden. Die Hauptachse der Jurte zeigt mit der Türöffnung stets nach Süden, was der zeitlichen Orientierung dient – wenn dann durch die Mitte der Rauchöffnung das Sonnenlicht dringt, dient es den Bewohnern als Sonnenuhr. In der Mitte der mongolischen Jurte steht der Herd. Gleichzeitig ist die Mitte auch das kultische Zentrum. Die linke Seite des Innenraums beherbergt die Frauen und Kinder – hier werden die Dinge des Alltags erledigt. Die rechte Seite ist den Männern vorbehalten, und die hintere rechte Seite ist die „Ehrenseite“ – sie beherbergt den ältesten männlichen Besucher der Familie.

Einfacher, zweckmäßiger Aufbau

Jurtenstadt in einer Wüste

Eine Jurte kann zumeist innerhalb von einer Stunde auf- oder abgebaut werden und passt in ihrer einfachen Form auf zwei Packtiere. Der Holzrahmen einer Jurte besteht aus mehreren Scherengittern, die auseinandergezogen und aneinander gebunden werden. Dann werden sie in einem Kreis aufgestellt, wobei der Türrahmen einer Jurte stets nach Süden zeigen soll. In der Mitte der Jurte befindet sich ein Paar zwei bis drei Meter hohe Pfosten, auf denen ein runder Dachkranz aufliegt. In diesen Kranz werden die Dachstangen gesteckt, in einem Winkel von etwa dreißig Grad. Als Tür fungiert ein Filzvorhang, manchmal auch eine hölzerne Tür. Früher wurde die Jurte auf den nackten Steppenboden gestellt, heute findet man häufig einen Holzboden vor.

Nicht im Boden verankert

Eine Besonderheit der Jurte ist die Tatsache, dass sie im Gegensatz zu einem Zelt über keinerlei Fixierung am Boden verfügt. Sie wird bei stürmischem Wetter lediglich über ihr Gesamtgewicht am Boden gehalten. Häufig wird ein Seil an der Krone befestigt, an das bei Sturm ein schwerer Gegenstand zur Stabilisierung gehängt wird. Die Abdeckung des Holzrahmens erfolgt in mehreren Schichten: Ganz unten wird helles Baumwolltuch als Himmel fürs Dach gelegt, gefolgt von Wollfilz als Wärmedämmung – in der kalten Jahreszeit können das mehrere Lagen sein, die auch wasserabweisend wirken. Heutzutage wird aber auch oft imprägniertes Segeltuch als oberste Schicht verwendet.

In der Mitte der Jurte steht der kleine Herd, dessen Ofenrohr durch die Krone ragt. Die Öffnung fürs Rohr kann mit einem Segeltuch bei Regen geschlossen werden. Das Öffnen und Schließen erfolgt dabei über ein Seil. So kann die Rauchöffnung bei Schnee und Regen geschlossen und bei Sonnenschein geöffnet werden, um die natürliche Uhr der mongolischen Nomaden wieder hinein zu lassen.

Ebenfalls ein interessanter Artikel zur historischen Nutzung von Zelten: Militär und Zelte bei den Römern